2. November Manyulana ritt so schnell, wie Perl und sie konnten zu Eoddrens Haus, welches mittlerweile auch Lanas zu Hause wurde. Angekommen öffnet sie mit einem kurzen Zögern die Türe, sie weiß, dass sie alleine ist, dennoch zögert sie kurz, ehe sie hinein geht. Eoddren hatte scheinbar in einer Nacht und Nebel Aktion, während Lana nicht da war, einfach das Nachbargrundstück, samt Haus gemietet und daraus seine eigene kleine Trophäen- und Waffenkammer gemacht. Natürlich auch mit dem Hintergedanken, dass man ziemlich schnell ein Bett darin aufstellen könnte und Gästen ein Platz zum Schlafen bereitet wird. Entsprechend sieht sein Haus nun etwas fremd für Lana aus, die Trophäen, die Rüstungen, die Waffen, all das konnte sie nicht mehr sehen, stattdessen prangen nun Wandteppiche, Schränke und weitere Dekoration aus Rohan, auf sie herab. Es war nicht unhübsch, es war lediglich neu und anders. Vieles war, seit Eoddrens Rückkehr, anders. Mit einem tiefen Einatmen setzte sich Lana noch einen Tee auf, aus Blättern ihrer Heimat und heißem Wasser, welches, seit sie ebenfalls hier wohnt, stets in einer Kanne am Feuer stand. Immer wieder kam es vor, dass sie etwas falsch verstand, schlenderte von einem Fettnäpfchen zum Nächsten und stieg das eine oder andere mal auch anderen Personen damit auf die Füße. So auch heute Abend im Tänzelnden Pony. Was auch immer es war, sie hatte Eod scheinbar damit…
18. / 19. Oktober Schragen war nur einen knappen Tagesritt entfernt und so traf Eoddren zur Mittagszeit des nächsten Tages ein. Er ritt lieber über Nacht, auch wenn der Weg dadurch gefährlicher wurde, von Räubern, Wölfen und Orks gesät, genoss er die Stille der Nacht, die Halbschatten durch das Mondlicht und die unverwechselbare einmalige Atmosphäre. Bereits andere Soldaten, unter Anderem auch sein Neffe Theonrid, hatten ihr Lager unten am Fluß aufgeschlagen, ein Zeltlager wie es eines Soldatentrupps würdig war, gesäumt von Wimpeln aus Rohan, Gonder, Bree und den Nordhöhen. Aus vielen verschiedenen Ecken waren sie gekommen und boten ihre Hilfe an, meist ehemalige Soldaten aus den Dienst ausgeschieden, Abenteurer, Söldner und auch junge Burschen, welche sich ihre Sporen verdienen wollten. Eoddren erkannte einige Gesichter der anwesenden Landsleute, begrüßte diese und nahm seinen Platz im Zeltlager, den eines Kommandanten würdig ein. Theonrid, sein Neffe, hatte bereits im Voraus das Zelt seines Onkels aufgebaut und geholfen das Lager entsprechend zu gruppieren und zu organisieren, sodass zumindest hier keine Unruhen zwischen den Völkern herrschte. Es war ein größeres Speichenradzelt samt Vordach, mit Planen aus dickem grünen Stoff, gesäumt mit einer gold-braunen Borte und dem typischen Mustern der Mark versehen. Am Eingang des Zelts prangerte in weiß eingestickt das Ross als Zeichen Rohans und auf der Spitze wehte eine grün, rote Wimpel der Ostfold, Eoddrens Heimat. Rings um das…
17. Oktober Mit einem herzhaften Gähnen schritt Eoddren aus der Türe seines Hauses und blinzelte der Sonne entgegen. Sein Tag der Abreise brach an und obwohl es für ihn gut war, wieder etwas raus zu kommen, so überkam ihm auch ein beklemmendes Gefühl. Abschiede fielen ihm seit eh und je schwer und doch musste er sich in seinem Leben einige Male verabschieden. Teilweise für immer, teilweise nur für einige Zeit und andere Male nur in Gedanken, beraubt der Möglichkeiten. Es sollte ein ruhiger Tag werden, an welchem er seine Sachen packte, Schwert und Speer erneut nachschliff und in Bree einigen Besorgungen nachging. Bereits einige Stunden in Bree, trottete er quer über den Marktplatz und hatte für den heutigen Tag erst einmal genug gehört und gesehen. Es war nicht nur eine flüchtige Bekanntschaft, welche ihm ansprachen, ob es denn seinem Freund, dem Trobador, gut erginge. Und auch wenn er gerne eine andere Antwort gegeben hätte, so musste er wahrheitsgemäß sagen, dass er es nicht wusste. Doch musste er der schmachtenden Damenwelt nicht auf die Nase binden, dass er eigentlich gerade am Weg zu ihm war. Und zwar nicht in seine Siedlung, sondern ins Pony, bepackt mit frischen Sachen für ihn und einem Paket, welches er selbst zuvor erst abgeholt hatte. Auch wenn sich auf dem Paket kein Absender befand und der herausgebende Vermögensbewahrer nicht sah, wer…
16. Oktober Langsam stieg die Sonne über die kleinen Berge am Rande der Siedlung und weckte Getier und Mensch gleichermaßen. Auch Eoddren saß bereits am Rande des Bettes, aufgestützt auf seinen Armen, nach vorne gebeugt und sein Kopf zur Seite gedreht, immer noch seine schlafende Mitbewohnerin Manyulana beobachtend. Er schnappte sich ein frisches Hemd, sowie seine Stiefel und schlich ebenso leise wie am Vorabend wieder hinaus aus dem Haus, sich dabei noch einen leeren Krug vom Regal nehmend, welchen er vor der Türe mit frischem Wasser aus dem Brunnen befüllen will. Mit großen Schlucken schüttete er sich das eiskalte Nass in den Rachen und anschließend den Inhalt nun langsam in den Nacken und über den Kopf, zuvor den Oberkörper von jeglicher Kleidung befreit. Das frische Brunnenwasser verursachte ihm eine Gänsehaut und weckte zugleich alle Lebensgeister in ihm. Mit routinierten Griffen wurde der Handspiegel auf den Rand des Brunnens gelegt, das Rasiermesser ausgepackt und der über Nacht bereits wieder existierende Nachwuchs entfernt. Er war froh darüber die Wette gewonnen zu haben, doch war es der Ausgang der Wette und all die darauf folgenden Ereignisse, welche ihm die Rasur am Vortag zu einer wahren Befreiung erschienen ließ. Frisch rasiert, ein sauberes Wams am Körper mit dem Wappen der Westfold von Rohan, sitzt er auf den Treppen seines Hauses, schnitt immer wieder mit seinem Dolch ein Stück des Apfels…
15. Oktober Der Mond hatte bereits einen großen Teil seines nächtlichen Weges zurück gelegt, als sich Eoddren von Samuyel vor dem Gasthaus verabschiedete. Nachdenklich, mit zusammen gezogenen Brauen und einem Gesichtsausdruck, welcher sich voller Mitgefühl abzeichnete, schüttelt er langsam und mehrfach den Kopf. Erst als der Trobador nicht mehr in Sichtweite war, auf seinem Weg zum Garten, in welchem er sich so viele Male mit Alandurien getroffen hatte, ging auch der Rohirrim zu seinem Pferd. Er strich ihm zärtlich über den Nasenrücken, während er die Zügel losband, vom Stellplatz in der Nebengasse des ’Tänzelnden Ponys’. »Farados, mein alter Junge…. Es schmerzt regelrecht ihn so zu sehen und noch mehr reißt es auch alte Wunden wieder in mir auf…,« sprach er leise zu seinem groß gewachsenen, muskulösen Rappen. Ross und Reiter der Rohirrim wird eine enge Verbindung nachgesagt, jene Verbindung, welche Reiter und Ross im Kampf zu einer Einheit werden lassen und auch im Alltag blindes Verstehen bedeutet. Und so schnaubte Farados bei den Worten seines Reiters und Freundes kurz auf, streckte seinen Kopf nach unten und stupste Eoddren am Brustkorb entgegen. »Ja … Genau hier schmerzt es,« antworte ihm der Rohirrim mit sanfter Stimme und ein flüchtiges Schmunzeln zeichnete sich im Gesicht des Mannes ab. Er legte die Zügel über den Hals des Tieres, stieg in den Steigbügel und mit einem Schwung setzte er sich…